Interview mit vier " Sternguckern" - nicht ganz ernst zu nehem

Mein Nachbar hat sich vor einiger Zeit ein Teleskop gekauft und ist unter die Sterngucker gegangen.
Ich wunderte mich: "Hier in Neu-Anspach? Da sieht man doch nicht viel, so nah am lichtverschmutzten Rhein-Main-Gebiet?"
Letztens schrieb er mir nachts eine Nachricht: „Bist Du noch wach? Ich bin gerade auf Kreuzfahrt im All - in meinem Garten. Komm doch vorbei.“ Das ließ ich mir nicht zweimal sagen.
Was er mir durch das Teleskop begeistert zeigte, war wunderbar: Tausende Sterne und einen Sternennebel, den er kurz zuvor „zufällig entdeckt“ hatte. Saturn mit den Ringen hätte ich leider gerade verpasst, der sei schon hinter Nachbars Haus verschwunden.
Und dann kamen drei Männer um die Ecke. Sie stellten sich als Sterndeuter und Astrologen vor. Sie kamen uns irgendwie bekannt vor.... Sie waren begeistert von dem Super-Teleskop. „Wir haben uns schon gewundert, wie Ihr heute hier nach den Sternen schaut“ sagten sie. „Wo wir herkommen sieht man mit dem bloßen Auge so viel mehr Sterne.“
„Und was finden Sie am Sterne Gucken so interessant?“, fragte ich sie.
„Na schauen Sie doch, was die Sterne uns alles sagen können. Als allererstes geben sie uns Orientierung. Wie sollten wir sonst unseren Weg finden?“
Mein Nachbar schaute sie schief an: „Da habe ich ja mein Navi für“, grinste er „das bringt mich überall hin – naja – fast – es hat mich auch schon mal falsch geführt oder um 5 Ecken zum Ziel. Aber mit der Astronomie habe ich jetzt ein Hobby gefunden. Das ist auch Orientierung. Ich gehe ja auf die Rente zu, da brauche ich Beschäftigung. Natur und Wissenschaft haben mich schon immer interessiert. “
„Was ist Rente?“ wunderten sich die drei. „Ach egal – wichtiger ist uns: wir wollen verstehen, was die Sterne und Konstellationen für uns bedeuten. Wir sind Sterndeuter. So sind wir auch auf diesen besonderen Stern aufmerksam geworden. Der war so besonders, dass wir mehr erfahren wollten und ihm gefolgt sind.“
„Was einfach hinterher? Einem Stern – oder was?“, wir beide konnten es nicht fassen.
„Wir haben uns auch erst blöd gefühlt. Die Leute, die wir trafen, haben uns oft ausgelacht, so wie Sie jetzt. Die dachten, wir wären nicht ganz richtig im Kopf, zu dritt hinter einem Stern herzulaufen, ohne zu wissen, wohin und zu wem wir kommen. *Kennen Sie das vielleicht? Wenn man gar nicht anders kann, als einen Schritt vor den anderen zu setzen - auf etwas zu, das man noch gar nicht absehen kann. Der Weg und das Ziel sind nicht bekannt, Du weißt nur, es ist jetzt soweit, nun musst Du losgehen und genau dorthin, auch wenn Du noch nie so etwas gemacht hast.
...und dann haben wir es tatsächlich gefunden.
Das Kind in der Krippe.


*Christina Hegerding

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