Zeit schenken - eine große Aufgabe für die ambulante Krankenpflege der Diakonie

Vielen ist sie gut bekannt: die Diakoniestation in der Siemensstraße 13. Dass auf dem Schild auch „gemeinnützige GmbH“ steht, irritiert manche. Wer an Krankenpflege und an Diakonie denkt, hat oft noch ganz alte Bilder im Kopf von Schwestern eines Diakonissenhauses, die ihren Einsatz in den Orten als Teil der Gemeindearbeit leisteten und sehr individuell für die Kranken und ihre Bedürfnisse da waren. Nicht nur Pflegerisches, sondern auch das Anhören von Sorgen, kleine Hilfen im Haushalt und Unterstützung des Zusammenlebens gehörten selbstverständlich dazu. Heute geschieht die ambulante Krankenpflege der Diakonie unter dem Regelwerk von Sozialgesetzbuch und Verträgen mit den Pflegekassen und der Pflicht zum Qualitätsmanagement – so wie es der Gesetzgeber vorgesehen hat. Von Seiten der Kirche ist sie auf „eigene Füße“ gestellt worden – das bedeutet, dass sie keine zusätzlichen Finanzierungen von Seiten der Kirche bekommt und die Diakonie genauso wie alle anderen Pflegedienste ihre Leistungen abrechnen muss und schwarze Zahlen dabei herauskommen müssen. 

Dennoch ist der Geist des diakonischen Handelns wichtig geblieben für die Mitarbeitenden und die Leitung der Diakoniestation-Taunus. Gerade weil sich die „gute, alte Zeit“ nicht mehr heraufbeschwören lässt, geht es doch auf neue Weise darum – wie im Gespräch mit Geschäftsführerin A. Lucka-Kolod und Pflegedienstleiterin N. Elzenheimer deutlich wird –  Wege zu finden, dass möglichst viel „diakonische Zeit“  eingesetzt werden kann. „Diakonische Zeit“ ist die Zeit, die Menschen an Zuwendung und Unterstützung erhalten, obwohl sie nicht im Rahmen der Verträge mit den Pflegekassen finanziert ist. So wird dieser Geist vor allem in Phasen von Sterbe- und Trauerbegleitung, im Dabeibleiben in Notfallsituationen, in Zeit für Nachgespräche mit den Angehörigen als Haltung deutlich. Vieles davon beruht auf persönlicher Einsatzbereitschaft. Die Bereitschaft, Patienten auch dann aufzunehmen, wenn „es sich nicht rechnet“  oder wenn die Altersarmut enge Grenzen setzt, wurzelt im Geist der Diakonie, die sich als ein Handeln aus Nächstenliebe versteht. Es gehört die Haltung dazu, in der Organisation der pflegerischen Maßnahmen nach Zeiträumen zu suchen, die ein echtes Eingehen auf die persönlichen Einschränkungen ermöglichen. Ein gut geknüpftes Netzwerk zum Palliativ-Team und zu weiteren Hilfsangeboten und Beratungsstellen steht bereit, damit ganzheitlich auf die Pflegebedürftigen eingegangen werden kann. Sensibel, aufmerksam und individuell die nötigen Kontakte herzustellen ist ebenfalls ein „Zeitgeschenk“ genauso wie das Angebot eines Angehörigen - Stammtisch.

Ein ganz besonderes Zeitgeschenk ist die Arbeit in der sozialen Betreuung von Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz. Hier geht es vor allem um an Demenz Erkrankte, aber auch alle anderen Arten von psychischer oder physischer Einschränkung. Frau  C. Müller bietet als Sozialberaterin regelmäßig Ausbildungstage für soziale Betreuer/innen an. Auf diesen Fortbildungen werden theoretische Kenntnisse zu Krankheitsbildern und Kommunikationstechniken vermittelt, die der Situation der zu betreuenden Person gerecht werden. Begeistert berichtet C. Müller von der Biographie- Arbeit, durch die viele verschüttete Erinnerungen und Gefühle angesprochen werden können und die Persönlichkeit gestützt wird. Bedauerlich ist für sie die Erfahrung, dass nur wenige, von ihr im Kurs Ausgebildete, anschließend tatsächlich verbindlich und regelmäßig einem Menschen ihre Zeit schenken wollen.  Dass der diakonische Geist erkennbar bleibt, hängt damit nicht unerheblich auch davon ab, wie gut die Kirchengemeinden sich dafür mit verantwortlich fühlen. Sei es, indem sich dort Menschen finden, die für solch ein Engagement Zeit zu schenken – sei es, indem Kollekten und Spenden (wie die unserer Frauenhilfe) – dazu beitragen, etwas von dem auszugleichen „was sich nicht rechnet“.

U.Trippel – nach einem Gespräch mit

N. Elzenheimer, C. Müller, A. Lucka-Kolod

 

Gefangene der Zeit

 

Wir sind Gefangene unserer Zeit

und können ihr nicht entfliehen.

Die Zeit hält alles für uns bereit,

Leben, Glück, Sorgen und Mühen.

 

Fern aller Zwänge der irdischen Welt,

droben in and'ren Regionen,

dort bei den Sternen am Himmelszelt,

dort möchten wir gerne wohnen.

 

Doch die Zeit hält uns fest in irdischen Bahnen,

sie gibt uns nicht frei und grenzt uns ein,

wir wissen es nicht und können nur ahnen,

wann wir uns trennen vom menschlichen Sein.

 

Wir zählen die Jahre in Tagen und Stunden,

die uns tragen mit unserer Zeit hinaus —

doch oft entscheiden schon die Sekunden,

über's Sein oder Nichtsein, über das Aus.

 

Wir können nicht fragen woher und wohin

fließt die Zeit, in der wir geborgen —

uns trägt die Zeit nie zum Ende hin,

für sie gibt es immer ein Morgen.

 

Ewigkeit ist es, die uns umfängt —

Unendlich ist die Spur.

Die Zeit, die unser Leben bedrängt,

ist ein Rad in der Lebensuhr.

 

Die Uhr mißt die Jahre, die aus Sekunden,

ständig erwachsen - wir nennen es Zeit.

Oft dünkt sie uns lang, oft fliehen die Stunden,

bis wir von allen Zwängen befreit.

 

Gottfried Pokropp