Weil ich es mir wert bin...

... so nutzt die Werbeindustrie das Selbstwertgefühl von Frauen, um Schönheitsprodukte an die Frau zu bringen. Die Frage: „Was bin ich (mir) wert?“ leitet vermutlich in viel größerem Maße unsere Handlungen und Entscheidungen, als es viele für sich auf den ersten Blick zugeben würden. Sich etwas kaufen, zur Freude, zum Trost, zur Belohnung – das alles hat was mit dem Selbstwertgefühl zu tun. Die „Kultur der Wertschätzung“  in Betrieben soll nicht nur gutes Betriebsklima schaffen, sondern auch zur Leistung reizen im Streben nach Wertschätzung.  

Das Wort „Wertschätzung“ gehört nicht zum Grundbestand christlicher Tradition. Dort heißt es:  einander annehmen - einander lieben - einander dienen. Das alles geht zurück auf den jüdisch-christlichen Grundwert des Glaubens: die Nächstenliebe. Für manche ein angestaubtes Wort, das in die Ecke derer mit Helfersyndrom oder der als „Gutmensch“ Gescholtenen gehört. Schade! Das Gebot der Nächstenliebe hält nämlich radikal daran fest, dass der andere der Liebe wert ist, unabhängig von seiner Leistung, seiner Herkunft, seines Alters, seiner Gesundheit. Das Liebesgebot bringt den Selbstwert in ein heilsames Dreiecksverhältnis:  Gott lieben, den Nächsten lieben, sich selbst lieben (Lk 10,27). Wer nur Gott lieben will, entzieht sich seinen Mitmenschen. Wer nur sich selbst liebt, bleibt einsam. Wer sich allein in der Nächstenliebe verausgabt, verliert sich in der Bedürftigkeit der anderen. Jesus hat dieses dreifache Gebot als die Summe aller Gebote bezeichnet und die Befolgung dieses Gebotes als die Erfüllung unseres Lebenssinns als Menschen von Gott her. Darum bleibt es für mich der höchste Wert, den wir als Christenheit in allen Werte-Diskussionen, in allem Umgang zwischen Menschen, in allen Standards, die politisch und ökonomisch für Menschen festgelegt werden, einzubringen haben. Es verändert die Maßstäbe, die wir an uns und andere anlegen - damals wie heute. Von Gott her ist jeder Mensch gleich wertvoll.

Ursula Trippel