Extrem menschlich - Begleiterin sein im Hospiz

Seit 2016 begleitet Heidi Börner ehrenamtlich Menschen, die ihre letzte Lebenszeit als Gäste im Hospiz Arche Noah verbringen. Den Anstoß dazu gab eine Fernsehsendung über das Kinderhospiz Bärenherz in Wiesbaden. Ihr war sofort klar: hier möchte ich helfen, die letzte Lebenszeit zu einer intensiven und schönen Zeit zu machen. Es folgte die zertifizierte Ausbildung zur Hospizhelferin (80 Theoriestunden und Praktika in unterschiedlichen Einrichtungen). Der Einsatz im Alltag sollte aber räumlich näher liegen. Das führte sie zum Hospiz Arche Noah.

Was ist Ihre Aufgabe als Begleiterin der Gäste  im Hospiz?

H.B.: Meistens wird eine stille Begleitung gebraucht. Jemand, der einfach nur da ist, dabei bleibt. Manchmal werde ich aber auch als Zuhörerin gebraucht. Es ist wichtig, sich selbst ganz zurücknehmen zu können und den Gast mit seinen Bedürfnissen in den Mittelpunkt zu stellen. Egal was kommt: eine Flut von Tränen, Lachen, Wortlosigkeit. 

Gibt es eine besondere Gabe, die Sie haben?

H.B.: Ich kann gut ganz offen und ohne Plan zu den Gästen gehen und mich auf das einstellen, was mich in der Begegnung erwartet. Auch habe ich gelernt, meine Grenzen anzuerkennen und sie auszusprechen. Es kann vorkommen, dass man auch mal eine Begleitung abgeben muss, weil man nicht klar kommt mit einer Besonderheit des Menschen.

Wie gehen Sie damit um, wenn Ihnen etwas besonders nahe geht?

H.B.: Wenn ich jüngere Menschen auf diesem letzten Stück Lebensweg begleite und vielleicht die Fotos der Kinder auf dem Nachttisch sehe, dann muss ich schon schlucken. Was hilft, ist der gute Geist, der im ganzen Haus herrscht. Das fühlt sich an wie eine Geborgenheit, die einfach da ist. Das spüre ich und das trägt mich. Außerdem habe ich ein erfülltes Privatleben. Manchmal nimmt man schon etwas mit nach Hause von der Schwierigkeit, die ein Mensch hat, sein Leben loszulassen. Dann ist es gut, wenn meine Familie und meine Enkelkinder mich in ganz andere Aufgaben ziehen.

Haben Sie eine spirituelle Kraftquelle?

H.B.: Diese Frage lässt sich gut mit einem Vers aus einem Gebet von S. Naegeli beantworten, das wir in der Ausbildung bekommen haben: „… gib mir, was ihm (dem Gast) wohltut. Erfülle mein Schweigen mit deiner Gegenwart, dass es ihn umhülle wie einen wärmenden Mantel…“

Werden Sie bei dieser Aufgabe bleiben?

H.B.: Auf jeden Fall! (lächelt)

 

Das Gespräch führte  U.Trippel