Glitzerwelt trifft Himmelslicht

Es muss glitzern, funkeln, blinken. Lichter ziehen viele Menschen fast magisch an. Die Einkaufspassagen unserer Großstädte nutzen diesen Effekt. Die Frankfurter Skyline setzt mit ihrer Beleuchtung ein selbstbewusstes Zeichen für Erfolg und Fortschritt. Wer in ein Rockkonzert geht oder auch zu Helene Fischer, der darf einen ausgefeilten, eindrucksvollen Einsatz von Lichteffekten erwarten. Diese „Lightshows“ steigern die ganze Darbietung erst so richtig zum Gänsehaut-Erlebnis.  Man stelle sich mal vor: Band pur, Helene pur- das wäre doch deutlich bescheidener vom Erlebniswert her.

Da ist es doch naheliegend, dass Weihnachten auch glitzern, blinken und scheinen muss: die Weihnachtsmärkte, die Kaufhäuser, die Fenster zu Hause. Und irgendwie gehört es ja sogar zur Geschichte von der Geburt Jesu dazu. Das „Event“ wird mit einem Lichtspektakel angekündigt. Die Hirten auf dem Feld werden mitten in der Nacht von einem grellen Licht aufgeschreckt.  Aber es kommt kein Ufo wie in Science Fiction Filmen unserer Zeit. Es kommen Engel, die von „der Klarheit des Herrn“  umleuchtet sind. Der Evangelist Lukas setzt also gezielt auf Lichteffekte, um die Bedeutung der Geburt Jesu darzustellen. Es geht ihm aber um mehr als um einen stimmungsfördernden Akzent. Es ist eine  dramaturgische Verdichtung für die dieser Geschichte Lauschenden.  „Licht trifft Finsternis“ – und verändert diese für immer.  Der Evangelist Johannes erzählt das Kommen Jesu in die Welt ausschließlich mit diesen Symbolen. Ein altes Weihnachtslied besingt die Geburt Jesu: 

Wir sitzen ja nicht im Dunkel der Nacht. Wir leben in einer überbelichteten Welt, in der nur an einem einzigen Abend im Jahr symbolisch das Glitzerlicht der Konsumtempel ausgeschaltet wird, um zu zeigen, dass Energiesparen gut ist. Das war´s dann aber schon. Drückt es sich darin aus, dass es uns im Grund egal ist, was aus dieser Welt wird? Spiegelt es sich darin, dass wir keiner Hoffnung folgen, die über die im eigenen Leben erfüllbaren Wünsche hinausgeht?

Zur Zeit der Geburt Jesu war die Sehnsucht groß nach dem Licht, das das Leben hervorholt aus allen Bedrängnissen, das Leben aus den Todesschatten befreit – der Ungerechtigkeit, des Machtmissbrauchs, der Unmenschlichkeit. Es gab die große Sehnsucht, dass der Ewige selbst sich zum Anwalt des Lebens macht, sich der Sache derer annimmt, die gebeugt sind. Das tritt ein mit der Geburt Jesu, sagen die Evangelisten. Mit dieser Geburt kommt das ewige Licht in die Welt, das uns bis heute aus der Finsternis holt: aus den Ängsten und der Hoffnungslosigkeit, die uns daran hindern, Veränderungen zu wagen. Und dieses Christuslicht löst aus mancher Verblendung, mit der wir leben, zum Beispiel, alles jederzeit zur Verfügung haben zu können, Erfüllung des Lebens und Glück. 

Himmelslicht trifft Glitzerwelt. Das Christuslicht klärt, worauf wir unsere Hoffnung setzen können. Sie geht weiter über das hinaus, was wir mit unseren begrenzten Möglichkeiten tun können gegen Unfrieden und Unmenschlichkeit. Und genau darum können wir es tun. Weil die „Motivation“ der Glaube ist und nicht die Erfolgsquote. 

UrsulaTrippel

„Das ewig Licht geht da herein, 

und gibt der Welt ein neuen Schein. 

Und leuchtet mitten in der Nacht. 

Und uns des Lichtes Kinder macht. Kyrieleis.“

 (EG 23,4)