Weihnachten – da war doch noch was…

„Von drauß vom Walde komm ich her, 

ich muss Euch sagen, es weihnachtet sehr!

Allüberall, weithin angepriesen, 

sah ich Dominosteine, Lebkuchen und Spekulatius liegen 

und aus dem Briefkasten quellen hervor:

Prospekte voller Geschenkideen  - macht hoch das Tor…“ 

 

Theodor Storm würde sich wahrscheinlich im Grabe herumdrehen, wenn er diese recht unpoetische Abwandlung läse. Immerhin habe ich hier sein stimmungsvolles, wohlbekanntes Weihnachtsgedicht als Aufmacher benutzt und Sie hoffentlich neugierig gemacht.

Da geht ein großer Sommer zu Ende und der Herbst traut sich noch nicht ganz auf die Bühne. Nur morgens, in der kühlen Frische, kommt die Ahnung, dass es auch sehr rasch wieder Minusgrade haben könnte. Am Anfang ist die Freude über die warmen Herbstfarben in der Natur noch ein wenig verhalten – mit leiser Wehmut sieht man die ersten Blätter von den Bäumen fallen und genießt aber vielleicht eine schöne Apfelernte oder freut sich an den satten Farben der letzten Blühstauden. 

Wer es noch nicht auf dem Schirm hat, wird nun überall daran erinnert: In ein paar Wochen ist wieder Weihnachten. Unverkennbar, beim Kaufmann um die Ecke stapeln sich auf Sonderflächen Dominosteine, Lebkuchen und Spekulatius. In Werbeprospekten sind auf besonders herausgestellten Seiten bereits die ersten typischen Weihnachtsgeschenkideen zu finden – seit Jahren die oft gleichen Dinge, die Mann/Frau/Kind offensichtlich einmal im Leben unter dem Weihnachtsbaum finden sollte. Der Baumarkt bietet schon im Herbst formschöne Baumständer an und weil die Entscheidung für das diesjährige Weihnachts-Farbkonzept (Rot/Grün, Blau/Silber oder ganz und gar Natur?) mit einiger Sorgfalt getroffen werden muss, sind die entsprechenden Artikel ebenfalls bereits ab September vorrätig.

Ab jetzt beginnt der Stress – wen beschenkt man, womit bloß? Wann soll ich das alles besorgen und wie teuer darf es werden? Und dann rattert es weiter im Kopf: Wo feiern wir eigentlich – bei mir, bei Dir, bei Deinen/meinen Eltern, an Heiligabend oder erst ab dem ersten Weihnachtsfeiertag? Die Freude über das Nahen des Weihnachtsfestes wird abgelöst von hektischem Organisieren und Gehetze, damit es so richtig schön wird. 

Weihnachten – war da was? Ja, da war was – die Geburt des kleinen Kindes in einem ärmlichen Stall. Die damit verbundene Verheißung für uns Christen scheint mir jedoch mit jedem Jahr weiter in den Hintergrund zu rücken. Weihnachten als gigantisches Konsumerlebnis – zeitlich ideal eingebettet zwischen Kugelgrill-bewehrten Sommerpartys und dem heiteren Fest des Osterhasen?

Manchmal kann ich darüber schmunzeln, oft bin ich ein wenig traurig darüber, wie sehr uns der Konsumwahn in seinen Fängen hält und kann den Dominostein, an dem ich dann im November doch nicht vorbeigehen konnte, gar nicht genießen. 

Man müsste es anders machen, andere Dinge tun, anders denken – aber wie? So, dass die Freude über die glückliche Geburt des Gottessohns wieder spürbar wird. Dass man sie mit anderen teilt, das Licht weitergibt, Wärme spendet, Wertschätzung, Aufmerksamkeit…

Warum nicht mal wieder mit der Familie oder mit Freunden im Wald durch die vom Wind zusammengetriebenen Blätterhaufen waten, gemeinsam Schneemänner bauen, Kerzen ziehen, Baumschmuck basteln und ja – auch gemeinsam Plätzchen backen. Zeit verschenken, Gemeinschaft leben, Nähe spüren, Liebe greifbar machen – darum geht es an Weihnachten, an dem Tag, an dem Gott uns in seinem Sohn das größte Geschenk macht, das wir je bekommen haben.

Wir könnten doch in diesem Jahr einmal damit anfangen. Sie und ich, und wer sich sonst noch auf die Suche nach der Weihnachtsfreude machen möchte – meinetwegen auch schon im Herbst. In diesem Sinne: Frohe Weihnachten!

Carola Heuschkel-Kubis