Vor ca. 40 Jahren beschlossen einige evangelische Frauen, einen Besuchskreis im Hochtaunusstift zu gründen. Es sollten Heimbewohner besucht und auch Geburtstagsbesuche gemacht werden. Pfarrer Hofmann unterstützte diese Initiative, die sich ständig weiter entwickelte. So kamen katholische Frauen hinzu, auch die Aufgaben wurden im Laufe der Zeit den Anforderungen im HTS angepasst. Wichtig sind nach wie vor die Besuche und die Gespräche mit den Bewohnern. Die Damen des Besuchskreises sind sehr beliebt und werden immer mit offenen Armen empfangen. Wichtig sind die monatlichen Gottesdienste, die von Pfarrerin Trippel gehalten werden. Altbekannte Lieder werden gerne gesungen und auch die Psalmen gesprochen. Geburtstage spielen eine große Rolle. Zwei Damen kümmern sich darum, dass niemand vergessen wird. Pfarrerin Trippel übernimmt die Besuche zu runden Geburtstagen. Gern gesehen ist der Besuchskreis beim Spielenachmittag, um das beliebte "Mensch ärgere dich nicht" zu betreuen. Einmal im Monat gibt es den Stuhlkreis, den eine der Damen veranstaltet. Sie bringt Materialien mit, um mit den Bewohnern ins Gespräch zu kommen. Jedes Mal gibt es ein schönes, spannendes Thema. Es werden Lieder gesungen, Texte vorgelesen, Bilder angesehen usw. Um sich über die gemachten Erfahrungen auszutauschen, trifft sich die Gruppe zweimal im Jahr zum Gespräch. Zum Jahresende werden alle zur Weihnachtsfeier in das HTS eingeladen.
Manchmal gerät das Leben_aus der_Spur. Dann brauchen Menschen_Hilfe. An vielen großen Bahnhöfen ist eine Bahnhofsmission zu finden, die sich der Menschen in Not annimmt. Jedes Jahr suchen etwa zwei Millionen Menschen aus den unterschiedlichsten Gründen eine Bahnhofsmission auf. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Bahnhofsmissionen helfen jedem, der Hilfe ersucht und das sofort und gratis. Voraussetzungen für diese Hilfe sind nicht zu erfüllen. Egal ob jemand in akuten Nöten ist, wie Kleidung kaputt, kein Telefon, ohne Schlafplatz, hungrig, durstig, bestohlen, verletzt, krank, schwach oder wohnungslos, süchtig, verarmt, verzweifelt. Auch für Kinder auf Reisen gibt es Hilfe, beispielweise einen Begleitservice, der das Reisen für Kinder sicher macht.
Bahnhofsmissionen sind Einrichtungen der Evangelischen und Katholischen Kirche. Sie fühlen sich der Botschaft des Evangeliums verpflichtet und verstehen sich als gelebte Kirche am Bahnhof. Diese gelebte Nächstenliebe ist in jedem Fall unterstützenswert und verdient unser aller Aufmerksamkeit.
So stellen sich die Klinikseelsorgerinnen der Hochtaunuskliniken in Bad Homburg auf ihrer Website vor. Wer schon einmal im Krankenbett dort lag, weiß, wie gut ein Gespräch oder ein Gebet mit Frau Margit Bonnet oder Helgard Kündiger tut.
Liebe Frau Bonnet, Sie haben eine Pfarrstelle, die sich in vielerlei Hinsicht von einem Gemeindepfarramt unterscheidet. Jeden Tag müssen Sie sich neu auf Menschen in einer Ausnahmesituation einstellen, denn die meisten Patienten bleiben ja nur einige Tage im Krankenhaus. Die wenigen, kurzen Begegnungen können Sie, anders als ein/e Gemeindepfarrer/in, nie über längere Zeit vertiefen.
Ja, die Kontakte sind von der Anzahl her begrenzt – das wissen wir aber beide und so ist unser Gespräch wie eine besondere Chance: Meist geht es recht direkt um das, was mein Gegenüber in der Zeit im Krankenhaus umtreibt. Das muss nicht immer nur die Krankheit sein. Die Besuche, bei denen wir im Krankenzimmer anklopfen und einfach schauen, wer uns begegnet, sind ein besonders wertvoller Anteil unseres Pfarramtes. Fast alle Menschen freuen sich über das offene Gesprächsangebot. Oft geschieht dabei eine kleine "Wandlung": Persönliches vertrauensvoll äußern können, Klage äußern zu können oder auch die Gedanken mit einer Person ordnen, das hilft, die Situation zu strukturieren.
So recht kann man sich Ihren Dienst kaum vorstellen, gerade wenn man Sie noch nie erlebt hat. Wie sieht ein ganz normaler Arbeitstag bei Ihnen aus?
Man kann uns telefonisch oder übers Internet gut erreichen, das nutzen Patienten oder ihre Angehörigen direkt. Oft sprechen mich Menschen schon vor der Klinik oder in der Eingangshalle an. Dringende Gesprächswünsche nehme ich gleich von der Pforte der Klinik mit. Das sind Menschen, die bei der Patientenaufnahme Interesse an einem Seelsorgebesuch geäußert hatten. Manchmal melden sich Klinik-Mitarbeiter, wenn sie spüren, dass jemand Gesprächsbedarf hat. Allerdings schaffen wir es nicht immer, Jeden zu besuchen, denn die Klinik mit ihren rund 430 Betten ist durchweg gut belegt. Manchmal ist Jemand aber auch schon wieder entlassen worden, bevor wir ihn/sie besuchen können. Sonntags gestalten wir Gottesdienste in der Klinikkapelle und auch regelmäßige Abschiedsgottesdienste der Palliativstation oder auf dem Waldfriedhof für frühverstorbene Kinder, viele davon ökumenisch.
In einer Gemeinde besteht die Arbeit der Pfarrer/innen zu*einem nicht unerheblichen Teil aus Verwaltungs- und Organisationsaufgaben. Dafür haben Gemeinden in der Regel ein Gemeindebüro. Wie ist das bei Ihnen?
Ein Sekretariat und organisatorische Unterstützung gibt es nicht. Wir schreiben und versenden alle Dokumente selbst, werben, kommunizieren und veröffentlichen. Andererseits ist der Umfang dieser Tätigkeiten auch viel geringer als in einer Kirchengemeinde. Zu den Besonderheiten unserer Pfarrstelle zählt, dass wir in der Klinik zu Gast sind. Wir haben leider keinen eigenen Raum für Gesprächsangebote oder eigene Veranstaltungen. Die Klinikverwaltung unterstützt uns jedoch, wenn wir einen Raum brauchen. Und wenn kein Raum frei ist, können wir manchmal das kleine Café der "Grünen Damen" im Obergeschoss der Klinik nutzen.
Patienten seelsorgerlich zu unterstützen ist je nach Diagnose und Krankheitsverlauf sicher nicht einfach. Wie bereiten Sie sich auf Ihre Gespräche mit den Patienten vor? Und wie sorgen Sie für sich selbst?
Wir haben gelernt, "unvorbereitet" auf Menschen zu treffen. Ja, manchmal stürzt da eine ganze Lebensgeschichte oder auch eine schwere Diagnose auf uns ein. Wenn ich merke, dass das auch für mich belastend ist, nehme ich mir ein wenig Zeit, suche selbst die Kapelle auf, bete oder bleibe aufmerksam dafür, wie es weiter auf mich wirkt. Da sind oft Folgegespräche für beide Seiten hilfreich – für den Patienten, aber auch für mich, z.B. über die Frage, wie es jetzt weitergeht, was die nächsten Schritte sein werden. Ich merke, dass ich auch die Urlaubs- und Auszeiten brauche, in denen ich Abstand gewinnen kann und mit neuer Kraft zurückkehre.
Manchmal brauchen aber auch Ärzte, Pfleger oder Klinikbedienstete seelsorgerliche Unterstützung. Gehört das auch zu Ihren Aufgaben?
Das ist ganz zentral. In unserer Kirche verstehen wir unsere Arbeit als "Krankenhausseelsorge", also den Dienst an Erkrankten, Mitarbeitenden und Angehörigen. Täglich ergeben sich auch Gespräche und auch Beratung mit Mitarbeitenden. Die meisten "zwischen Tür und Angel", genau wie in den Gemeinden. Die Taufe des Kindes, die Sorge um den Vater, die Not mit der Arbeitsverdichtung… Das offene Herz und Ohr und die gemeinsame Suche nach Lösungen sind wichtige Kontakte. Unsere Schweigepflicht ermöglicht viel Vertrauen!
Aktuell sind es drei Seelsorgerinnen - Frau Kündiger und Sie sowie Frau Walter-Klix, Pastoralreferentin des katholischen Bistums Limburg. Sie verstehen sich als ökumenisches Team und arbeiten in der Klinik eng zusammen. Wie gestalten Sie die Zusammen- arbeit, wie teilen Sie sich die Arbeit auf?
Momentan teilen Frau Kündiger und ich uns eine volle Pfarrstelle, die übrigens vollständig von der evangelischen Kirche finanziert wird. Wenn Frau Kündiger ab August in den Ruhestand geht, werde ich die Stelle voll übernehmen. Wir haben eine feste Aufteilungen für die Stationen und Aufgaben aber verantworten vieles auch gemeinsam und vertreten uns im Interesse der Patienten, damit immer eine Seelsorgerin kommen kann. Mitarbeitende, Patienten und wir selbst schätzen es sehr, dass wir um der Menschen willen mehr auf das Gemeinsame als auf Unterschiede in den Konfessionen achten. Damit wird Kirche glaubwürdig in einer Klinik.
Jeden Sonntag findet in der Klinik-Kapelle im Erdgeschoss in Bad Homburg ein Gottes-dienst (katholisch und evangelisch im Wechsel) statt. Kann jeder dazukommen, auch Nicht-Patienten?
Die Gottesdienste finden in "geprägter" evangelischer und katholischer Weise statt. Sie sind bewusst offen gehalten für alle Menschen, damit jeder leicht in die Liturgie und Abläufe findet. Es kommen jeden Sonntag auch Menschen aus den umliegenden Gemeinden, die es schätzen, dass hier eine sehr persönliche Gottesdienstatmosphäre herrscht. Dann gehen sie natürlich auch "zu Hause" wieder gern zum Gottesdienst. Genau so ist es lebendig und vernetzt.
Sie bieten Unterstützung und Begleitung für Patienten und deren Angehörige unabhängig von ihrer Weltanschauung und Religion an. Kommt es vor, dass Andersgläubige um Ihre Begleitung bitten? Welche Erfahrungen haben Sie dabei gemacht?
Ja, das gehört auch zur alltäglichen Begleitung. Wir können offen sprechen, manchmal auch beten. Und wenn das ein Anliegen ist, vermittle ich auch den Kontakt zu geistlichen Personen der entsprechenden Religion oder Gemeinschaft.
Gibt es die Möglichkeit, Sie in Ihrem Dienst ehrenamtlich zu unterstützen?
Ja, das ist durchaus möglich. Wir bieten dazu im Dekanat eine Ausbildung an, nach der Sie mit unserer Begleitung tätig werden können. Am einfachsten wenden sich Interessierte direkt an mich.
Diakonie gibt es, weil Menschen Menschen brauchen: „Tätige Nächstenliebe“ – so hieß das früher. Ältere haben noch die Diakonissen in Erinnerung, die mit ihrem weißen Häubchen gut erkennbar waren im Straßenbild auf ihren Wegen zur Krankenpflege. Diakonie war jedoch schon immer vielseitig. Nur eines war sie nie: überflüssig. Diakonisches Handeln lässt konkret werden, worum es uns als Christen und Christinnen in der Welt gehen muss. Christlicher Glaube ohne Diakonie wäre vielleicht reine Kopfsache oder ein guter Kulturbeitrag. Schon in der Apostelgeschichte in der Bibel wird die Armenpflege als vordringliche Aufgabe der gerade entstandenen christlichen Gemeinde erwähnt. Der Diakon hatte das Amt inne, vorrangig für die Witwen und Waisen – damals die Ärmsten und Rechtlosesten – zu sorgen. Über viele Jahrhunderte hindurch haben die Kirchen und Klöster dann Krankenhäuser, Waisenhäuser, Armenhäuser und Hospize unterhalten. In der evangelischen Kirche geht die heutige Diakonie auf Hinrich Wichern zurück. Er war 1832 Oberlehrer an der Sonntagsschule im Hamburger Vorort St. Georgen – einem Armenviertel. Dort gründete er das „Rauhe Haus“ – ein „Rettungshaus“ mit familienähnlichen Wohngemeinschaften für Kinder- und Jugendliche. Christliche Bildung durch Wertevermittlung und Herzensbildung war ihm ebenso wichtig wie die Berufsausbildung zur Selbstständigkeit, die dort möglich wurde. Später hat sein politisches Engagement zur Herausbildung des Diakonischen Werkes geführt. Die Vielfalt und Professionalität der heutigen Diakonie sind gute Früchte davon.
Ursula Trippel
Wie es dir möglich ist: Aus dem Vollen schöpfend - gib davon Almosen! Wenn dir wenig möglich ist, fürchte dich nicht, *aus dem Wenigen Almosen zu geben! Tobit 4,8
Jahrelang habe ich nicht mehr in meinem erlernten Beruf als medizinische Fachangestellte gearbeitet. Die schnelllebige Zeit, die Oberflächlichkeit störten mich. Nun bin ich seit über 2 Jahren wieder in einer kardiologischen Praxis tätig. Hier behandeln wir nicht nur das Organ Herz, sondern kümmern uns auch um die Dinge, die das Herz bewegen. Das Herz, das Organ der Seele. Christ sein bedeutet Mitmenschlichkeit. Ein offenes Ohr und Auge haben, die kleinen Signale erspüren, zuhören, wo das Herz weh tut, ein Stück Last der Anderen tragen, nicken, lächeln, mal über den Arm streicheln, einfach die Tür öffnen... Ich messe also nicht nur den Blutdruck, schreibe EKGs, stelle Rezepte aus... Ich bekomme dadurch ein Vielfaches zurück: an Dankbarkeit, Herzenswärme, Freundlichkeit ... Danke "Oma Tilly", dass Sie mir so schöne Socken stricken ... jede Masche ist ein Geschenk an mich. Es ist nicht schwer, mitmenschlich, ein Christ zu sein, wenn wir die Bedürfnisse unseres Gegenübers erspüren.