Hoffnung auf Frieden in allen Teilen der Welt

In der Ausgabe 1/2016 haben wir einige Flüchtlinge vorgestellt, die damals unser Willkommenscafé besucht haben. Einer von ihnen erzählt hier nun seine Geschichte und das was seitdem geschehen ist.

Nachdem ich alles verloren hatte (meine Wohnung, meine Familie und vielleicht meine Zukunft), habe ich beschlossen, vor dem Krieg zu fliehen.

Am 1.2.2014 bin ich von der Hauptstadt Damaskus nach Idlib gefahren, auf einer gefährlichen Reise, die den ganzen Tag gedauert hat, immer in Gefahr, in militärische Operationen und Beschuss zu kommen.

Ich kam bis zu meiner Schwester. Ihr Mann war schon gestorben, er war bei einem Spaziergang durch eine Bombe getötet worden. Ich bin 15 Tage bei meiner Schwester geblieben, dann bin ich in die Türkei gegangen.

Ich habe versucht, in der Türkei bleiben, aber nach 3 Monaten habe ich gesehen, dass die Situation zu_schwierig ist. Ich hatte zu lange Arbeitszeiten für zu wenig Geld.

Ich entschied mich, nach Europa (Deutschland)zu reisen, aber ich hatte nicht genug Geld für die Reise. Aber es war wie eine Wette: Entweder gewinne ich mein Leben, wenn ich Erfolg habe, oder ich sterbe, wenn ich scheitere.

In der Türkei habe ich einen Mann getroffen, der mir gegen $900 geholfen hat, nach Griechenland zu kommen, über das Meer mit einem Gummiboot, zusammen mit vielen anderen Flüchtlingen.

Ich blieb 3 Tage in einem speziellen Camp für Flüchtlinge, dann ging ich nach Athen und weiter nach Thessaloniki, kaufte mir ein Fahrrad und fuhr damit nach Mazedonien, Skopje. Von dort fuhr ich dann mit dem Bus zu der Stadt Kumanovo und ging zu Fuß nach Serbien, mehr als 30 km. Mit einem Bus fuhr ich dann nach Belgrad.

Ich habe 3 Tage eine Pause gemacht und dann ging es um das Grenzgebiet mit Ungarn.

Kurz nach der ungarischen Grenze wurden wir von 4 Personen überfallen. Sie sagten, sie sind von der Polizei, aber sie waren von der Mafia. Sie wollen mich und meine Freunde bestehlen. Ich wehrte mich, aber ich bekam einen Stromschlag und verlor das Bewusstsein, und sie nahmen Rache an mir, weil ich mich gegen sie gewehrt hatte. Ich erlitt mehrere Frakturen im Gesicht.

Ich ging dann nach Deutschland mit einem Taxi, nach Passau, wo ich nach der Deutschen Polizei und einem Krankenhaus fragte. Sie waren sehr nett. Sie gaben mir alle Hilfe. Meine Reise dauerte einen ganzen Monat.

In Syrien war ich ein sehr guter Karatekämpfer. Weil die Medien in Syrien aber nur Mannschaftssport zeigen, ist Karate nur einer kleinen Gemeinschaft bekannt. Unter diesen Leuten war ich sehr bekannt. Ich habe auf regionaler Ebene eine Menge Erfolge gehabt, und einige auch auf der internationalen Ebene. Der wichtigste Erfolg war die Teilnahme an der Weltmeisterschaft in Belgrad 2010.

Am Anfang dachte ich, das Leben ist hart in Deutschland. Ich war allein und alles war neu für mich: die Sprache, die Kultur, die Gesellschaft. Doch nach einigen Monaten begann ich, die Sprache zu lernen und zu verstehen, auch die Gesetze.

Und ich habe einen Mann getroffen, der wie ein Vater für mich ist. In einem Verein für Gesundheits- und Kampfsportverein namens LOTUS habe ich andere Leute kennengelernt, sie sind wie eine Familie für mich. Ich begann mit ihrer Hilfe, meine Zukunft zu planen.

Ich habe nicht den Wunsch, nach Syrien zurück zu kehren, obwohl es in meinem Herzen ist, aber ich will nicht wieder alles hier verlieren. Und ich hoffe, dass ich eine aktive Person bei der Arbeit und beim Sport bin und weiterhin werde. Außerdem habe ich auch den Traum, Mitglied in der deutschen Nationalmannschaft für Karate zu sein.

Ich kann nicht beschreiben, was in Syrien geschieht, weil es auch die Grenzen der Vorstellungskraft überschreitet. Der Krieg unterscheidet nicht zwischen Alten oder Kindern, zwischen Mann oder Frau. Wir verlieren alle in diesem Krieg, sie sind unsere Schwestern und Brüder, unsere Töchter und Söhne. Unsere Familien sind die Opfer des Krieges und die meisten von ihnen sind unschuldig. Ich wünschte, in Syrien könnte wieder Frieden und Sicherheit herrschen. Ich wünschte, in allen Teilen der Welt gäbe es Frieden.

Wael Shueb

Flüchtlinge

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