Am Kirchenstammtisch, der immer am letzten Dienstag im Monat in der „Linde“ stattfindet, wird über dies und das gesprochen. Und einmal, ohne besonderen Grund, mitten in der Blüte des Sommers, über die Endlichkeit unseres Lebens. Da wurden die unterschiedlichsten Meinungen laut: „Besser nicht dran denken, denn man kann doch nur für das Hier und Jetzt leben.“ Oder: „Doch, ich denke immer wieder daran, dass mein Leben begrenzt ist, und genau deswegen sehe ich dankbar auf Vieles, das mir in diesem Leben geschenkt ist.“ Dazwischen noch ganz viele andere Gedanken.

Klar war: die Haltung zur Endlichkeit des eigenen Lebens bestimmt mit über die Art, wie ich mein Leben gestalte. Das Leben ist ein Geschenk, und geschenkte Zeit. So empfanden es die meisten, die da saßen. Der Wunsch, diese Zeit als erfüllte Zeit zu erleben, Sinn zu erfahren, sich am Leben freuen zu können, verbindet Menschen und regt  dazu an, sich zu fragen: welchen Aufgaben, welchen Beziehungen gebe ich Gewicht in meinem Leben? Wem oder was schenke ich ein Teil von meiner kostbaren Lebenszeit? 

Der Wunsch und die Sehnsucht, gelassen mit der eigenen Endlichkeit umgehen zu können, wurde an diesem Abend deutlich spürbar. Und doch: „Der Unterschied zwischen Theorie und Praxis ist in der Praxis immer größer als in der Theorie.“ Das gilt sicher auch dann, wenn das Ende des Lebens nicht nur Gedankenspiel am Stammtisch ist, sondern wenn man einen Menschen gehen lassen muss, der einem nahe am Herzen steht, und erst recht, wenn man sich tatsächlich selbst mit einer Krankheit, die zum Tod führt, auseinandersetzen muss.

„Meine Zeit steht in deinen Händen, Gott“

das ist ein Vertrauenssatz, mit dem man sich einüben kann in diese Gelassenheit. Es ist auch ein schwerer Satz, weil er so radikal deutlich macht, dass wir das, was uns am meisten Wert ist, das Leben, nicht in den Händen haben. Und es ist ein Satz, der in die Wahrnehmung rückt, dass dennoch ein Halt da ist: unsere Lebenszeit fällt nicht ins Nichts. Sie steht und fällt auch nicht damit, was mir gerade gelingt oder  misslingt. Sie steht in Gottes Händen – sie ist gehalten. Ich bin gehalten.
U.Trippel

 

Geschenkte Zeit

 

Wie aus Minuten werden Stunden,

die sich zu Tagen danach runden,

und diese dann im Wochenlauf

zu einem Monat rücken auf,

 

so rinnt die Zeit zwölf Monde lang

und rauscht dabei den Grabgesang,

vom ew'gen Kommen und Vergeh'n —

nur ihre Spur kann man noch seh'n.

 

Die Zeit als Jahr nimmt ihren Lauf,

tut immer neue Türen auf.

Was wir dahinter dann erspäh'n,

läßt nur den Augenblick uns seh'n.

 

Du kannst die Zeit gewiß nicht halten,

doch kannst Du formen und gestalten.

Aber die Werke zeigen nur,

ein Stückchen Zeit als Deine Spur.

 

D'rum nutz die Dir geschenkte Zeit,

sei stets zu neuem Tun bereit.

Zu schnell entflieht der Augenblick

und kehret nimmer mehr zurück.

 

Ob Glück, ob Leid, wie's kommen mag,

freu' Dich auf jeden neuen Tag.

Dank Gott für die geschenkte Zeit —

sie ist ein Stück der Ewigkeit. 

 

Gottfried Pokropp

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