Lichtverschmutzung

„Immer weniger Menschen sehen den Sternenhimmel“. Mit diesen Worten beginnt ein Artikel der Zeitschrift „Stern“. Die Sterne sagen viel darüber aus, welche großen Probleme diese Art der Umweltverschmutzung mit sich bringt, obwohl man sie kaum im Blick hat, angesichts der vielen offensichtlicheren Verschmutzungen.
Aber warum ist sie ein Problem?
Natürlich ist es sehr schade, dass laut Untersuchungen von Wissenschaftlern ein Drittel der Weltbevölkerung die Milchstraße nicht mehr sehen kann, aber gibt es auch noch mehr Nachteile?
Künstliches Licht ist seit Jahrhunderten von der Erde nicht mehr wegzudenken. Es hilft bei der Kommunikation und gibt uns in der Dunkelheit ein Gefühl der Sicherheit. Außerdem dient es uns zur Orientierung, zum Beispiel in Leuchttürmen, bei Autoscheinwerfern usw. In Belgien werden sogar die gesamten Autobahnen nachts beleuchtet.
Forscher fanden heraus, dass dieses Kunstlicht sehr negative Folgen für die Tier- und Pflanzenwelt hat: Die nachtaktiven Tiere sind es gewohnt, sich in der totalen Dunkelheit zu bewegen und das Licht irritiert sie. In Bad Homburg wurden zum Beispiel Turmfalken in einer Kirche gesichtet, weshalb die Straßenbeleuchtung umgestellt werden musste, um diese Tiere nicht zu verunsichern und beim Brüten zu stören.
Die Pflanzen benötigen den Wechsel von Licht und Dunkelheit, um die Photosynthese durchführen zu können. Photosynthese wird auch Dunkelreaktion genannt.
Durch das künstliche Licht in der Nacht kann deshalb das Pflanzenwachstum gestört werden. Wenn die Pflanzen nicht oder nicht ausreichend wachsen, fällt auch die Nahrungsgrundlage für einige Tierarten (z.B. Fische) weg.
In Deutschland gibt es in Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern die geringste Lichtverschmutzung, die höchste dagegen in Dortmund, Düsseldorf und Köln und europaweit gibt es die dunkelsten Gegenden in Schottland und Skandinavien. Dass es auch in großen Städten anders geht, hat die Stadt Fulda bewiesen. Fulda, die Sternenstadt, hat das gesamte Beleuchtungskonzept so geändert, dass die Lichtverschmutzung so gering wie möglich gehalten wird.
https://www.sternenstadt-fulda.de/
Für die Menschen war die Orientierung mit Hilfe der Sterne immer sehr wichtig und bedeutend. Diese Bedeutung hat jedoch aufgrund der immensen technischen Entwicklungen immer mehr abgenommen.
Der Blick in die Sterne ist jedoch mit sehr vielen Gefühlen verbunden. Wir merken dann, dass wir nicht allein im Universum sind, dass es noch andere Planeten und Himmelskörper gibt und dass das Universum unendlich erscheint. Wenn wir uns den Blick auf die Sterne durch zahlreiche Lichtquellen "verunreinigen", haben wir möglicherweise irgendwann keine Möglichkeit mehr sie zu sehen und werden die einzelnen Sterne und Sternbilder nur noch aus Büchern oder dem Internet kennen.
Das wäre sehr schade und deshalb sollte meiner Meinung nach jeder darüber nachdenken, ob es wirklich nötig ist, gerade in der Vorweihnachtszeit unzählige LED Lichterketten nachts leuchten zu lassen oder ob es nicht schöner ist, einfach mal eine Kerze anzuzünden und die dunkle Zeit zu genießen.


Fabian Gantz

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